Wo Gott nicht helfen kann, da sorgt die Polizei für Ordnung

Eigentlich hatten wir ja gar nicht mehr damit gerechnet, dass die Fundamentalist*innen um Wolfgang Hering noch vor dem medicare-Gesundheitszentrum auftauchen würden. Die Polizei war bereits abgezogen, auch einige Gegendemonstrant*innen hatten bereits den Heimweg angetreten, als schließlich mit rund 45 Minuten Verspätung das wohlbekannte Wolfimobil um die Ecke bog. Heraus kamen Wolfgang Hering und drei Begleiter*innen. Obwohl Hering wieder einmal seinen Benediktussegen um den Hals trug, der zum Schutz gegen „Alltagsgefahren, Blitz, Hagelschlag, Vergiftung, Fieber, Pest, Steinleiden, Fallsucht, böse Geister, Hexen, den Teufel sowie bei Geburten und in der Sterbestunde“ (vgl. Artikel „Benediktussegen“ bei Wikipedia) dient, bewahrte ihn und seine Mitstreiter*innen das nicht vor unserem Gegenprotest. Auch ein gen Himmel gerichtetes, stilles Stoßgebet führte nicht dazu, dass wir vom Blitz getroffen wurden und so griff Hering kurzerhand in seine Tasche und tauschte seinen Rosenkranz gegen ein Mobiltelefon, mit dem er dann eilig die Polizei verständigte. Wenige Minuten später traf diese mit zwei Streifenwägen ein. Hering delegierte das „Vorbeten“ an die zwei Personen, die am heutigen Tag die Ehre hatten, das Marienbildnis zu halten, um sich bei den Polizeibeamt*innen über uns zu beschweren. Vermutlich fühlten er und seine Mitbeter*innen durch die Musik von den Petrol Girls und Respect My Fist beim Rosenkranzbeten gestört.

Die Polizei teilte Herings Meinung offenbar und versuchte uns an einen anderen Platz zu verweisen, von dem wir die Gebete der Abtreibungsgegner*innen nur aus der Ferne hätten verfolgen können. Das stellte die Beamt*innen allerdings vor einige logistische Probleme. Glüchlicherweise kam eine*r der Polizist*innen auf die grandiose Idee, Absperrband mit der Aufschrift „Polizeiabsperrung“ um den Kundgebungsort der Fundamentalist*innen zu spannen. So grenzten Sie deren Kundgebung symbolisch von uns Gegendemonstrant*innen ab. Die Betonung sollte dabei auf dem Wort symbolisch liegen …

Zwei Polizist*innen versuchen den Kundgebungsort der Fundamentalist*innen mit Polizei-Absperrband zu sichern.

Der Versuch der Polizei stieß dabei jedoch auf einige Erheiterung bei umstehenden Beoachter*innen. Währenddessen setzte Wolfgang Hering zusammen mit seinen Schäfchen unbeeindruckt sein Gebet fort. Wie immer betete er vor. Vielleicht traut er seinen Mitstreiter*innen ja nicht zu, dass diese ein Ave Maria oder ein Vaterunser textsicher herunterbeten können.

Erleichtert davon, dass nun ein Absperrband Gegendemonstrant*innen auf Abstand hält, beteten die Fundamentalist*innen weiter. Wolfgang Hering dirigiert sie dabei.

Weil sie sich offenbar nicht anders zu helfen wussten, nahmen die Bullen kurz darauf eine Gegendemonstrantin in Vorbeugegewahrsam und beraubten uns damit auch unserer Musik. Die Betroffene wurde bis zum Ende der Kundgebung der fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen in einer Zelle auf dem Pasinger Polizeirevier festgehalten. Konkrete Vorwürfe konnten die Polizist*innen gegen sie jedoch nicht erheben.

Unterdessen schickte Gott einen Regenschauer und trieb seine selbsternannten Schäfchen damit zur Eile. Nach einem eilig zu Ende gebeteten Rosenkranz dankte Wofgang Hering der Münchner Polizei für ihren Einsatz und ließ seine Anhänger*innen noch ein Vaterunser für die Polizist*innen beten. Danach beendete er die Kundgebung und binnen einer Minute flohen die Fundamentalist*innen vom Kundgebungsort.

Stilleben mit Fundis.