Pro Choice statt Pro Life!

Wir unterstützen den Aufruf der Antisexistischen Aktion München und rufen am 04.08., wie an allen anderen Tagen zum Protest gegen die fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen auf:

Radikale Abtreibungsgegner*innen wollen am 4. August um 17 Uhr auf dem Marienplatz gegen das hart erkämpfte Recht auf Selbstbestimmung hetzen. Wir haben keinen Bock darauf, dass andere darüber entscheiden, was mit unseren Körpern zu passieren hat und rufen daher zum Gegenprotest auf.

Wir treffen uns um 16:30 Uhr am Rindermarkt in München und gehen von dort gemeinsam zum Marienplatz, um kreativ, bunt und queer gegen die Fundis zu protestieren.

Unsere Forderung: #Wegmit218!

 

 

 

 

 

Unter dem Motto „Abtreibung Geschichte machen“ rufen radikale Abtreibungsgegner*innen zu einer so genannten „Pro Life Tour“ auf. Vom 3. bis 19. August wollen die österreichische und die deutsche „Jugend für das Leben“ (JfdL) nach eigenen Angaben mit „Hunderten“ von München nach Salzburg marschieren. Zwischenstops sind derzeit an folgenden Orten geplant:

  • 3-5.8. München
  • 5.-6.8. Dachau
  • 6./7.8. Freising
  • 7.-9.8. Erding
  • 9./10.8. Dorfen
  • 10./11.8. Mühldorf am Inn
  • 11.-13.8. Altötting
  • 13./14.8. Braunau am Inn
  • 14.-16.8. Mattighofen
  • 16./17.8. Mattsee
  • 17.-19.8. Salzburg

Die in Augsburg ansässige „Aktion Lebensrecht für Alle“ (AlfA) zählt zu den ältesten und aktivsten „Lebensschutz“-Organisationen in Deutschland. Der Verein und ihre Jugendorganisation, die „JfdL“ vertreten christlich-fundamentalistische Positionen zu Fragen der Abtreibung und der Bioethik. Mit dem Ziel Abtreibungen zu verunmöglichen, sind sie auf verschiedenen Ebenen aktiv. Sie organisieren Infostände, Kundgebungen und Vorträge, um ihre Inhalte zu verbreiten. Immer wieder sind Kinder und Jugendliche Zielgruppe ihrer Aktivitäten – so auch jetzt bei der so genannten „Pro Life Tour 2018“. In den vergangenen zwei Jahren organisierte die österreichische „Jugend für das Leben“ diese Wanderung allein, dieses Jahr tut sie sich zum ersten Mal mit ihrem deutschen Counterpart zusammen.

Mit dem Motto „Abtreibung Geschichte machen“ suggerieren die Abtreibungsgegner*innen, dass eine durch und durch planbare Welt möglich wäre. Eine Welt in der Abtreibungen schlicht nicht mehr nötig sind. Eine Welt, in der stets alles perfekt läuft. Doch diese Welt gibt es nicht.

Abtreibungen hat es schon immer gegeben und wird es immer geben. Darum kämpfen wir unter anderem dafür, dass ungewollt Schwangere eine Entscheidung treffen können, ohne von radikalen Fundamentalist*innen beeinflusst, vom Staat kriminalisiert oder von der Gesellschaft stigmatisiert zu werden. Denn eines zeigt die Geschichte und Gegenwart: Würden die Abtreibungsgegner*innen ihr Ziel erreichen, würde dies schlicht bedeuten, dass an ungewollt Schwangeren herumgepfuscht und ihr Leben unnötig aufs Spiel gesetzt würde.

Die Unterstützer*innen: reaktionär, fremden- und homofeindlich

Beobachter*innen der Szene berichten seit Jahren von der zunehmenden Verflechtung (extrem) Rechter und radikalen Abtreibungsgegner*innen. Es gibt zahlreiche thematische, aber auch personelle Überschneidungen, die einem gemeinsamen reaktionären, autoritären und antiemanzipatorischen Gedankengut entspringen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Grußworte an die Veranstalter*innen der „Pro Life Tour“ aus reaktionären, homofeindlichen Kreisen wie „Bibel und Bekenntnis“ oder der „Deutschen Evangelischen Allianz“ (DEA) kommen. Letztere besitzt autoritäre und undemokratische Züge, eine Vielfalt der Kulturen und Religionen sieht sie als Bedrohung an.

Bereits nach kurzer Recherche stoßen wir dann auf Unterstützer*innen der „Pro Life Tour“, die gegen Geflüchtete, den Islam, sowie Inter- und Transpersonen hetzen und vernetzt sind mit Aktivist*innen der so genannten „Identitären Bewegung“ (IB).

Selbstbestimmung muss es geben – §218 Geschichte machen

Diese Tour ist ein weiteres Beispiel dafür, dass unsere (queer-)feministischen Kämpfe noch lange nicht gewonnen sind und wir reaktionäre Ideologien immer und überall bekämpfen müssen. Darum kommt am 4.8. zur Auftaktkundgebung auf den Marienplatz, interveniert vor Ort, sprecht mit den Organisationen, die den Abtreibungsgegner*innen Unterschlupf gewähren, klärt auf und seid laut, wenn das Recht auf Selbstbestimmung angegriffen wird.

Wir treffen uns am 4.8. um 16:30 Uhr am Rindermarkt in München und gehen von dort gemeinsam zum Marienplatz, um kreativ, bunt und queer gegen die Fundis zu protestieren.


Ein paar Hintergründe zu §218 und Aktivitäten der radikalen Abtreibungsgegner*innen

Der deutsche Staat lässt sich das Recht darüber zu bestimmen, was mit unseren Körpern zu passieren hat, bis heute nicht nehmen. So regelt der Paragraf 218, dass ein Schwangerschaftsabbruch mit „Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“ werden soll. Dass man als ungewollt Schwangere, die*der sich letztendlich doch für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, nicht gleich in den Knast wandert, haben wir dem Zusatzparagraphen 218a zu verdanken, der seinen Vorgänger zwar abmildert, aber keinesfalls vergessen lässt. Paragraf 218a besagt, dass Schwangere, die sich mindestens drei Tage vor der Abtreibung einer Beratung unterzogen haben und versichern können, dass der Zeitpunkt der Empfängnis nicht länger her ist als 12 Wochen, legal den Abbruch vornehmen lassen können. So weit so ungut. Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist und bleibt in Deutschland in einem lausigen Zusatzartikel verpackt.

Selbst ernannte „Lebensschützer*innen“ bspw. die „AlfA“ würden zu gern noch einen Schritt weiter zurück in die Vergangenheit gehen und die Situation von vor 1976 wieder herstellen, wo Abtreibungen schlicht verboten waren. Ihr Argument: Die befruchtete Eizelle, der von „Lebensschützer*innen“ schon allerlei Eigenschaften zugesprochen werden, sei bereits ein Kind, weswegen ein Schwangerschaftsabbruch eine „vorgeburtliche Kindstötung“ darstelle. Der Paragraf 218 gehört in ihren Augen wieder abgeschafft, der Schwangerschaftsabbruch verboten und bestraft. Die Folgen wären, dass wie früher Quacksalber an Schwangeren herumpfuschen, ungewollt Schwangere sich lebensbedrohliche Infektionen zuziehen oder bei den Eingriffen verbluten.

Strafrechtlich verfolgt wird Abtreibung per se also nicht, als moralisch verwerflich gilt sie in vielen Gesellschaftsschichten jedoch noch immer. Und genau in diese Kerbe schlagen die „Lebensschützer*innen“. Ihr Ziel: Abtreibung verunmöglichen. Ihre Aktivitäten fokussieren sich unter anderem darauf, Menschen vor Beratungsstellen zu belästigen, ihnen z. B. Embryonen aus Plastik in die Hand zu drücken, um Schuldgefühle zu wecken oder sie – wenn nötig auch mit Gewalt – am Betreten von Abtreibungskliniken zu hindern. Oder sie marschieren – wie im aktuellen Fall – durch die Gegend und indoktrinieren schon kleine Kinder mit ihrem reaktionären Gedankengut.

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