Redebeitrag zur Pro Choice Demonstration gegen den 1000-Kreuze-Marsch

Wenn ein einziger jährlicher 1000-Kreuze-Marsch die einzige Fundiveranstaltung wäre, mit der wir uns hier in München herumschlagen müssten, wäre alles viel leichter.

Die reaktionäre Scheiße, die Abtreibungsgegner*innen meinen hier heute abziehen zu müssen, ist eklig und widerwärtig. Es ist eine aus der Zeit gefallene Zurschaustellung von Familien- und Geschlechterbildern. Der 1000-Kreuze-Marsch ist antifeministisch, autoritär und sexistisch. Er verhöhnt alles, was es an Empowerment Bewegungen in den letzten Jahrzehnten gegeben hat.

Und doch. Und doch manifestiert sich hier nur im Großen, was sich Monat für Monat im Kleinen wiederholt:

Der gleiche Verein wie beim 1000-Kreuze-Marsch; wieder Wolfgang Hering in der Rolle des Anführers, befiehlt er Monat für Monat seine Schar von willig Betenden um sich und pilgert durch die Stadt, um vor pro familia in Schwabing Psychoterror zu betreiben.

Das immer unter dem Deckmantel der Nächstenliebe. Die Fundis stilisieren sich als arme Opfer von Linken und den Medien – neulich wurden pro-choice Aktivist*innen mit den Worten „Wieso hasst ihr uns so? Wieso lasst ihr uns nicht in Ruhe beten?“ begrüßt.

Und genau hier liegt das Problem! Die Fundis geben sich als sanfte, bemitleidenswerte Menschen, die von der Polizei beim Beten beschützt werden müssen. Dabei ist diese Truppe alles andere als gefahrlos. Ihr erklärtes Ziel: Sowohl die Beratungsstelle pro familia als auch die bestehende Abtreibungspraxis in Freiham zum Aufgeben zu bewegen.

Das ist nicht harmlos! Das hat nichts mit Nächstenliebe zu tun! Es ist reaktionär und einfach nur zum Kotzen, schwangeren Personen, die über eine Abtreibung nachdenken, und sich eh schon in einer scheiß Lebenssituation befinden, vor Beratungsstellen Plastikföten entgegenzustrecken und als Mörder*innen zu diffamieren.

Und es ist mir egal, wie mitleidig die so handelnde Person dabei schaut. Es ist mir egal, dass sie vorgibt, persönlich zu leiden, weil andere Menschen abtreiben. GENAU DAS ist Psychoterror! Das ist Täter*innen-Opfer-Umkehr. Das ist victim blaming. Das ist widerlich und verabscheuungswürdig.

Und GENAU DAS betreibt die Hering-Truppe jeden verdammten Monat am 25. in München. Sie schüchtert ein. Sie fühlt sich immer, aber auch immer, auf der Seite des „Rechts“. Sie hetzt. Sie wird beschützt von einer Polizei, die auf genau die Masche „Arme, vor allem ältere Menschen, die harmlos singen und beten“ hereinfällt, und den Gegenprotest ohne Ende gängelt.

Lassen wir uns das nicht mehr bieten! Feministischer pro-choice Protest muss in München endlich lauter werden.

Zeigen wir heute in aller Deutlichkeit, was wir von den Fundis halten: Nämlich gar nichts! IHR KÖNNT UNS KREUZWEISE! Heute, und an jedem 25. des Monats wieder!