Glossar

Balancierte Redner*innenliste

Eine Redner*innenliste, bei der im Vordergrund steht, dominantes Redeverhalten zu bremsen und passives Redeverhalten zu begünstigen. Siehe auch hier.

Diskurs

Michel Foucault bezeichnet mit dem Begriff des Diskurses nicht nur die öffentliche Diskussion, sondern subsumiert unter dem Begriff des Diskurses auch jene Institutionen, Strukturen – allgemein Kräfte –, die die Produktion des Diskurses selbst reglementieren und kontrollieren, aber auch von jenem überhaupt hervorgebracht werden. Damit kommt dem Diskurs die ambivalente Bedeutung, Realität nicht nur hervorzubringen, sondern auch, über diese zu reflektieren, zu.

Jetzt noch einmal für aus dem wissenschaftlichen Diskurs Ausgeschlossene:

Der wissenschaftliche Diskurs beispielsweise, den Foucault gezielt thematisiert, umfasst nicht nur die publizierten Texte, sondern auch die Ordnung, in der diese überhaupt erst entstehen konnten. Das bedeutet unter anderem, dass dir, wenn du dich zu einem bestimmten Thema äußerst, aber nicht einen entsprechenden Bildungsgrad nachweisen kannst (Master, Doktor, Professor), die Kompetenz oder das Fachwissen abgesprochen wird, egal, wie gut du dich auskennst. Mehr als das, du wirst nicht einmal wahrgenommen, dein Beitrag fließt in die sogenannte „öffentliche Diskussion“ nicht ein. Zu dieser Ordnung gehört zusätzlich, dass eine Veröffentlichung auch nur dann als wissenschaftlich eingestuft wird, wenn sie sich einer bestimmten Sprache und einer bestimmten Form der Darstellung bedient. Dies führt dazu, dass du zum einen, wenn du dich dieser Sprache nicht bedienst, sofort als „unseriös“ wahrgenommen wirst, zum anderen, dass Menschen ausgeschlossen werden, die diese Sprache und Standards nicht kennen. Dir wird also die Möglichkeit verwehrt, am wissenschaftlichen Diskurs überhaupt teilzunehmen.

Vgl. auch Foucault, Michel. Die Ordnung des Diskurses (1970). Übers. von Walter Seitter. Frankfurt am Main: Fischer. 1991.

Sprechakt

Ebenso wie wir durch physische Taten Handlungen vollziehen, also beispielsweise einen Stein durch eine Glasscheibe werfen, vollziehen wir auch beim Sprechen ständig Handlungen. Beispielsweise vollzieht ein*e Richter*in beim Vollzug eines Urteils eine Handlung, wenn er*sie sagt „ich verurteile Sie zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen“. Wir sprechen dann auch von der Performativität dieses Sprechaktes. Sprachtheoretiker*innen wie beispielsweise Austin (vgl. Austin, John L. Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with Words) (1962/1975). Deutsche Bearbeitung von Eike von Savigny. Stuttgart: Reclam. 1979.) oder Searl (vgl. Searl, John R. Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay (1969). Übers. von R. und R. Wiggershaus. Frankfurt am Main: Suhrkamp. 1983.) behaupten, dass alle sprachliche Äußerungen, egal welcher Art, eine Handlungswirkung entfalten können.

Anknüpfend an eine solche Position betont Judith Butler, dass eben solche performativen Sprechakte einen maßgeblichen Einfluss auf unser Leben haben und sogar eine konstituierende Wirkung entfalten (vgl. bsp. Butler, Judith. Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. New York, London: Routledge. 1990.), also uns zu dem machen, was wir sind. So argumentiert Butler beispielsweise, dass ein Kind erstmals bei seiner Geburt von der Gesellschaft mit seinem*ihrem Geschlecht angerufen wird („Es ist ein Mädchen“) und diese Anrufung über das gesamte Leben dieses Menschen ständig wiederholt wird, mit der Folge, dass sich das Kind und der*die spätere Erwachsene so verhält, wie es sich den gesellschaftlichen Zuschreibungen gegenüber ihrem*seinem Geschlecht nach „gehört“. Butler betont also, wie heute viele andere Forscher*innen, die Auswirkungen von Sprechakten und zeigt, wie notwendig und zugleich unmöglich bzw. schwierig – schließlich wurden wir als Teil der Gesellschaft alle bereits von dieser und ihren Sprechakten geprägt (konstituiert) – es ist, dieses Verhältnis zu reflektieren.